"Das Bier von hier" - Wo Tradition wieder auflebt

Als Armin und Christian Schulz vor 16 Jahren aus Gladigau nach Tangermünde kamen, um einen Teil ihrer umfangreichen Sammlung historischer Hausrats- und Alltagsgegenstände in der Scheune des Hotels "Alte Brauerei" auszustellen, entstand bereits die Idee, eine Kleinbrauerei zu Füßen der Sankt Stephanskirche zu errichten. Die Tatsache, dass auf dem weitläufigen Hotel-Anwesen inmitten der Kaiserstadt in früheren Zeiten ein sehr beliebter Gerstensaft gebraut wurde, lieferte die historisch belegbare Vorlage für den Traum vom eigenen Bier.

Wegen des massenhaften Aufkommens industriell hergestellter Produkte, stellten zu Beginn des 20. Jahrhunderts unzählige kleine Braubetriebe ihre Tätigkeiten ein. Unternehmen dieser Größenordnung waren damals den großen und modernen Bierfabriken oftmals aufgrund einer nicht mehr zeitgemäßen technischen Ausstattung unterlegen. Das führte zu einem massenhaften und flächendeckenden Betriebssterben.

Genau wegen dieser Umstände schloss man 1917 eine der letzten privaten Tangermünder Brauereien auf dem heutigen Gelände der "Alten Brauerei". In den Folgejahren wurde das Produktionsgebäude immer weniger und dann über Jahrzehnte schlussendlich gar nicht mehr genutzt. Als vor mehr als 60 Jahren das Dachgeschoss samt Gebälk abgetragen und die Geschossdecke durch eine simple Bitumenabdeckung ersetzt wurde, besiegelte man den endgültigen Verfall.

Nach dem Erwerb des Grundstückes im Jahre 2010, starteten Vater und Sohn Schulz bereits ein Jahr später in eine zeitintensive Bauphase, um dem Verfall der historischen Bausubstanzen nicht nur tatenlos zuzusehen, sondern um in erster Linie die vorhandenen und denkmalgeschützten Gebäude nach erfolgter Sanierung einer nachhaltigen gastronomischen Nutzung zuzuführen. Denn der ab 2007 von beiden geführte Hotel- und Restaurantbetrieb "Alte Brauerei" erforderte wegen steigender Gästezahlen immer wieder Kapazitätserweiterungen.

Der Ursprungsgedanke, eine Gasthausbrauerei im heutigen Festsaal sowie die Gär- und Lagertanks in einem Teil des Kellers aufzustellen, wurde seitens der beiden Unternehmer bereits Anfang 2014 verworfen. Die Entscheidung gegen eine Gasthausbrauerei fiel aus wirtschaftlichen Gründen, denn die Aufstellung der umfangreichen Produktionstechnik hätte die neuen Flächen so stark reduziert, dass eine rentable Nutzung nicht mehr möglich gewesen wäre.
"Wir wurden schlichtweg von der sehr guten Auslastungssituation des Saals überrascht", gibt Armin Schulz als Grund für die damalige Planänderung an. "Schon nach kurzer Zeit hätten sich Bierproduktion und Saalbetrieb in einem Raum nicht vernünftig kombinieren lassen.", ergänzt der 33-jährige Christian Schulz.

Aus heutiger Sicht ist der damalige Entschluss zur klaren Trennung von Bierherstellung und Gastronomie aus Unternehmersicht die Basis für eine solide weitere Entwicklung des Betriebes mit seinen unterschiedlichen Teilbereichen. Allerdings ernteten die beiden Schulzens in den letzten Jahren nicht nur positive Stimmen für ihr Engagement. Vielfach kam der Gedanke auf, dass die angekündigte Brauerei durch den erfolgten Konzeptwechsel wohl nie Realität werden wird. Davon unbeirrt pfeilte das umtriebige Gespann weiter an einer Umsetzung einer Regionalbrauerei. Der endgültige Ort des Geschehens stand für die beiden schnell fest: Ein Teil der großen Hofscheune bot aus ihrer Sicht ideale Voraussetzungen zur Errichtung einer Produktionsstätte.

Nach einer langen Planungs- und Genehmigungsphase starteten Ende 2016 endlich die Bauarbeiten. Bis zu 15 verschiedene Handwerksbetriebe, größtenteils aus der Region, gaben sich in den letzten Monaten die Klinke in die Hand, um vom 10. bis 12. November eine optisch ansprechende Schau- und Handwerksbrauerei im Rahmen eines sehr gut besuchten Eröffnungsfestes zu übergeben.

Ohne das Engagement privater Geldgeber wäre dieses Projekt allerdings nie Realität geworden. Denn nur durch den Kapitaleinsatz regionaler und überregionaler Privatpersonen konnten die Ideen und Vorstellungen von Armin und Christian Schulz überhaupt umgesetzt werden. Auch zukünftig setzen die beiden auf dieses Finanzierungsmodell. Interessierte können gern den aktuellen Infoflyer "Zinsenszisch" anfordern.

In den Produktionsräumlichkeiten hat Christian Königs sein Refugium gefunden. Der gelernte Brauer und Mälzer ist bereits seit 1993 fest mit der Branche verwurzelt. Sein handwerkliches Können und die jahrelange Erfahrung im Umgang mit Rohstoffen und Technik führte bereits am Eröffnungs-Wochenende zu einer großen Bier-Begeisterung beim Publikum. Neben den beiden Standardsorten "SCHULZENS Hell" und "SCHULZENS Schwarz", wurde auch ein drittes Bier namens "SCHULZENS Ziegelrot" ausgeschenkt. Dieses Produkt erfreute sich zur Eröffnung und auch in den letzten Wochen so starker Nachfrage, dass es bis zur Trinkreife der nächsten Charge nicht im Außer-Haus-Verkauf erhältlich ist. Die anderen beiden Sorten gibt es aktuell in der Zwei-Liter-Brauhaus-Flasche als Mitnahme-Bier zu erwerben. Mit dem einmaligen Kauf dieser mächtigen Bierflasche besteht immer wieder die Möglichkeit des Flaschentauschs (keine Pfandrückgabe). Sofern die Flasche geleert ist, erhält man auf Wunsch und gegen Abgabe der leeren Flasche eine frisch befüllte Neue. Ab dem Frühjahr 2018 wird es nach Anschaffung einer speziellen Abfüllmaschine auch kleinere Gebinde geben. Neben dem Außer-Haus-Verkauf gibt es das Bier gegenwärtig ausschließlich in der eigenen Gastronomie im Ausschank. Ein Fassbierverkauf nebst dem Verleih von Zapf- und Schanktechnik komplettiert ab April 2018 das Angebot des kleinen Betriebes.